Nachruf für Jürgen Vilsmeier

 

Wir trauern um unseren Falknerkameraden und DFO Mitglied Jürgen Vilsmeier.

 

Jürgen, der im Raum Regensburg einen Kurierdienst und einen Süßwarenhandel betrieb, kam über seinen Sohn zur Falknerei. Dieser wünschte sich einen Falknerei-Erlebnistag. Der Kontakt zu den Greifen und Eulen hat Jürgen von der ersten Minute an so fasziniert, dass aus einem Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn Jürgens größte Passion wurde. Nach erfolgreicher Jäger- und Falknerprüfung begann er nach ersten Erfahrungen mit seinem Harris Hawk Santos mit der Adlerjagd und flog erfolgreich seinen Steinadlerterzel Maxl auf Hase und Reh.

 

Jürgen ging in der Jagdsaison fast jedes Wochenende zur gemeinschaftlichen Beizjagd. Er verbrachte sehr viel und sehr intensive Zeit mit seinen Kameraden und erlebte die dazugehörigen Höhen und Tiefen. Von geteilten Jagderfolgen, die Freude miteinander so naturnah zu jagen bis hin zu Schneidertagen oder Problemen mit den Individuen Adler.

 

Allein dieses Jahr feierte er – jeweils im Kreise seiner Falknerkameraden - zum Hasenauftakt am 16.Oktober die Geburt seines ersten Enkels, er beizt dieses Jahr seinen ersten Bock und in Schleswig-Holstein feierte er seinen 63. Geburtstag mit einem Überläuferkeiler – mit der Büchse erlegt - und beizte gleich noch einen Hasen.

 

Genauso erlebte er Tiefen, wie Fuchsbiss oder die Aspergilloseerkrankung seines Steinadlers.

 

Jürgen war ein sehr beherrschter, ruhiger Jagdkamerad. Ich erlebte ihn nur einmal mit einem Anflug der Unbeherrschtheit als gerade in Schleswig-Holstein unsere beiden Adler einen Hasen miteinander gefangen hatten. Auch dabei machte er sich selbst die größten Vorwürfe und ich konnte ihn gerade noch davon abhalten, als Selbstbestrafung für den ungewollten gemeinschaftlichen Beizerfolg unserer beiden Steinadler, den Hasen wieder laufen zu lassen.

 

Jürgen hatte einen sehr speziellen, ruhigen und verschmitzten Humor. Wir hatten daher auch viele lustige gemeinsame Erlebnisse.

 

Bei einem seiner spektakulärsten Beizerfolge fing sein Adler ein Reh, das versuchte einen zugefrorenen Fischteich zu überqueren und dabei einbrach. Dabei tauchte der Adler samt Reh komplett unter und verschwanden unter der Eisdecke. Jürgen barg mit Hilfe anderer Falkner seinen Vogel samt Reh aus dem eiskalten Wasser.

 

Ein anderes Mal wollte er seinen Adler nach einem Jagdflug einholen und fand diesen stehend wiederum in einem Teich. Erst als er Maxl aus dem Wasser holte, bemerkte er, dass Maxl einen Hasen unter Wasser in dem Teich gebunden hatte.

 

Danach war Jürgens Platz auf einer Beizjagd immer, falls vorhanden, in Wassernähe.

 

Wenn wir über einen Acker oder ein Feld Steife gingen oder Jürgen zu seinem Adler lief, um ihn einzuholen oder ihm bei einem Jagderfolg zu helfen, war es immer Jürgen, der in irgendwelche Brunnenlöcher oder Gräben stürzte oder über irgendwelche Schollen flog. Er bekam so den Spitznamen „Batman“.

 

Jürgens Maxl war dafür bekannt, super in der freien Folge zu arbeiten. Maxl war frei und Jürgen folgte. Oft gingen und jagten wir weiter, während Maxl, gefolgt von Jürgen, Richtung Horizont verschwand.

 

So war es auch an unserem letzten gemeinsamen Beiztag.

 

Jürgen flog Maxl erfolglos auf einen Hasen und versuchte dann seinen Maxl wieder einzuholen. Da er sich von uns entfernte gingen wir das Feld zurück Richtung Autos. Jürgen meldete sich telefonisch, dass sein Vogel in einem Dammwildgatter sitzt und er nicht rankommt. Ich teilte ihm mit, dass Herbert mit dem Auto und einer Schleppe kommt, um ihm zu helfen, den Vogel aus dem Gatter zu holen.

 

Als Herbert 5 Minuten später bei ihm eintraf, war er schon zusammengebrochen und bewusstlos.

 

Maxl saß 20 cm neben Jürgen und wachte über ihm.

 

Herbert rief uns an, um zu kommen und zu helfen.

 

Wir leisteten dann erste Hilfe bis der Notarzt kam. Dieser konnte nach weiteren Wiederbelebungsversuchen nur noch den Tod feststellen.

 

Es sei kein Trost, aber Jürgen verstarb bei seiner liebsten Tätigkeit, mit einem friedlichen Gesichtsausdruck und seinem über ihn wachenden Steinadler an der Seite.

 

Wir verblieben und wachten bei unserem Jagdkameraden im Feld bis zur letzten Minute, bis der Bestatter eintraf und ihn übernahm.

 

Es ist das erste Mal, dass wir einen so engen Freund und Jagdkameraden verloren haben, mit dem wir so viele schöne Momente und so intensive Zeit verbracht haben.

 

Seine ruhige, ausgeglichene Art und sein feiner Humor werden uns für immer fehlen.

 

Er hinterlässt eine große Lücke in unserer Gemeinschaft.

 

Jürgen, ein letztes Falknersheil.

Uli Jaser, Herbert Winkler, Michael Pongratz, Michael Donhauser